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Authentizität: Warum sie im Job oft nur eine weitere Maske ist

„Sei einfach authentisch.“
„Zeig dich, wie du bist.“
„Bring dein echtes Selbst mit zur Arbeit.“

Authentizität gilt heute als Ideal – im Job, in der Persönlichkeitsentwicklung, in der Selbstoptimierungsszene.

Was kaum jemand ausspricht:
Viele Menschen, die sich als authentisch, bewusst erklären, sind nicht wirklich authentisch –
sie spielen lediglich eine neue, besser legitimierte Rolle.

Warum Authentizität so attraktiv ist

Authentizität verspricht etwas, wonach viele sich sehnen:

  • nicht mehr funktionieren zu müssen
  • nicht mehr angepasst zu sein
  • nicht mehr gegen sich selbst zu leben
  • endlich die eigene Berufung/Bestimmung finden und leben

In einer Arbeitswelt voller Erwartungen, Rollenbilder und Leistungsdruck klingt Authentizität wie Befreiung. Außerdem wartet eine ganze Industrie darauf, mit vielen spirituellen Konzepten, Selbstoptimierungsversprechen endlich das große Erwachen, den Reichtum, die Fülle, den Erfolg in dir zu manifestieren.

Die wenigsten dieser Coaches sind selbst erwacht. Sie haben selbst noch keine Innenschau betrieben. Sie wenden spirituellen Konzepte, Meditationen wie Tools an. Sie versprichen eine heile Welt mit viel Hoffnung auf das eigene Erwachen, aber letztendlich spielt es mit einem tiefen Wunsch vieler Menschen. Es ist ein vielversprechendes Geschäftsmodell.

Das Problem: Authentizität wird oft auf Verhalten reduziert. Dabei geht es hier um innere Bewusstseinsarbeit.

Was falsche Authentizität bedeutet

Viele Menschen glauben, authentisch zu sein, weil sie:

  • direkt sprechen
  • Emotionen zeigen
  • „ehrlich ihre Meinung sagen“
  • sich bewusst gegen Anpassung entscheiden

Doch all das kann genauso gut aus konditionierten Mustern entstehen.

Authentisch zu wirken heißt nicht, authentisch zu sein.

Wer aus einem ungeprüften inneren Zustand handelt – aus alten Schutzmechanismen, Überzeugungen oder Rollen – lebt keine Authentizität, sondern eine weitere Maske.

Authentizität im Job: Eine besondere Herausforderung

Im Arbeitskontext wird Authentizität häufig gefordert – aber nur innerhalb bestimmter Grenzen:

  • Sei authentisch – aber bitte leistungsfähig
  • Sei ehrlich – aber nicht unbequem
  • Zeig dich – aber bleib funktional

Viele Menschen entwickeln daraus eine „berufliche Authentizität“: eine Rolle, die sich echt anfühlt, aber dennoch angepasst ist.

Diese innere Spaltung kostet Kraft – auch wenn sie gut aussieht.

Warum die Selbstoptimierungsszene das Problem verschärft

In der Selbstoptimierung wird Authentizität oft zur nächsten Aufgabe:

  • Sei authentischer
  • Zeig mehr von dir
  • Lebe dein wahres Selbst

Was dabei selten passiert: eine ehrliche Innenschau.

Wer versucht, authentisch zu sein, ohne sich selbst zu hinterfragen, optimiert lediglich seine Maske.

Das Ergebnis ist nicht Integration, sondern noch mehr innere Spaltung: ein „authentisches Ich“, das ebenfalls funktionieren muss.

Was echte Authentizität wirklich ist

Echte Authentizität beginnt nicht im Außen – sondern im Inneren.

Sie entsteht, wenn du bereit bist:

  • deine Prägungen zu erkennen
  • deine Rollen zu hinterfragen
  • deine inneren Antreiber bewusst wahrzunehmen
  • dich tief und ehrlich mit deinen Überlebensstrategien auseinanderzusetzen
  • deine Gefühle - egal, ob positiv oder negativ (wie Neid, Scham, Schuld, Angst, etc.) anzunehmen und zu integrieren
Authentizität ist kein Zustand. Sie ist das Ergebnis von Bewusstseinsentwicklung. Dafür gibt es kein Tool, keine Quick-Fixes, keine Motivaitons-Seminare, sondern die ehrliche Auseinandersetzung mit deinem Inneren. Jeder, der dir etwas anderes verspricht, hat diesen Weg noch nicht durchschritten.

Erst wenn du erkennst, aus welchem inneren Ort du handelst, kann Verhalten wirklich stimmig werden.

Was du jetzt tun kannst

Drei erste Schritte:

  1. Beobachte, wann du „authentisch“ sein willst – und warum
  2. Frage dich, aus welchem inneren Zustand du gerade handelst
  3. Ersetze Selbstoptimierung durch Selbstreflexion

Authentizität ist kein Ziel, das du erreichen musst.
Sie entsteht dort, wo du aufhörst, jemand sein zu wollen.

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